Meine eigene Auswandergeschichte

Family Picture 2015Mitte September 2006 sind mein Mann, Matthias, unsere erst zweijährige Tochter, Angelia und ich nach Neuseeland ausgewandert. Einige Jahre sind seit dem vergangen und wir wurden häufig gefragt, wie das so war, wie wir dazu kamen und ob wir das gefunden haben, wonach wir suchten.

Ich kann schon mal vorweg nehmen, dass es nicht immer einfach war und wir zwischendurch oft verzweifelt waren. Ende 2005 wurde mir von einer Bekannten erzählt, das sie nach Neuseeland auswandern wolle. Ihre Geschichte klang irgendwie faszinierend und als ich Interesse zeigte, fragte sie mich, welchen Beruf ich oder mein Mann hätten, denn mit dem richtigen Berufsfeld kann über die „Skilled Migrant Category“ ein Arbeitsvisum beantraget werden, was auch für uns der Fall war. Mit diesem Wissen kam ich nach Hause und berichtete meinem Mann davon, der zugleich begeistert darauf reagierte.

Wir hatten diesen Schritt über viele Jahre hinweg nie als Auswandern gesehen, sondern immer nur für ein Sammeln von Auslandserfahrungen für eine unbestimmt Zeit. Anfang 2006 machten wir uns dann daran, eine Arbeit für Matthias in Neuseeland zu finden, da ich mit meiner Tochter noch zu Hause war. Wir Beide hatten keinerlei Ersparnisse und waren somit darauf angewiesen, von Anfang an ein Einkommen zu haben. Auf Raten der Mitarbeiterin in der neuseeländischen Botschaft in Berlin beantragten wir nicht nur ein Arbeitsvisum für Matthias, sondern auch für mich und das für die Dauer von zwei Jahren, sodass wir Beide das öffentliche neuseeländische Gesundheitssystem kostenfrei in Anspruch nehmen konnten.
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Zuvor jedoch studierte mein Mann Fachzeitschriften seiner Berufsbranche, die schon des Öfteren in der Vergangenheit vakante Stellen im Ausland annonciert hatten. Kurz danach sendeten wir auf gut Glück eine Bewerbung zu einem neuseeländischen Arbeitgeber und bekamen sehr schnell positive Resonanz. Der Vertrag wurde unterschrieben. Zudem half uns der Arbeitgeber mit dem Antrag für ein Arbeitsvisum. Alles klappte wie am Schnürchen. Unseren Kontainer, mitsamt allen Habseligkeiten, schickten wir auf Reisen und unser Abflug war Mitte September 2006 gebucht. Wir nahmen uns zwei Wochen Zeit, um Neuseeland ein wenig besser kennen zu lernen, bevor Matthias dann mit seiner Arbeit begann. Der Arbeitgeber war zudem so nett und organisierte uns eine möblierte Bleibe, so dass wir uns von Anfang an wohlfühlen konnten.

Bis zu diesem Zeitpunkt verlief alles reibungslos und eigentlich fast zu einfach. Doch die Probleme fingen am zweiten Arbeitstag an, als mein Mann erfuhr, dass die Firma, für die wir nach Neuseeland gekommen waren, bankrott gegangen war. Eine sehr beängstigende und unsichere Zeit begann für uns und wir fragten uns sehr oft, ob es richtig war, ohne jegliche Rücklagen auszuwandern oder sogar überhaupt hierher zu kommen. Einige Leute verloren ihre Arbeitsstelle und der Arbeitgeber musste die Firma schließlich an den Insolvenzberater übergeben. Dieser hatte allerdings sehr viel Mitgefühl und behielt Matthias zunächst als Personal.

In der Branche sprach sich unsere Geschichte sehr schnell rum, denn als ich in den folgendene Tagen in anderen Firmen anrief, schien man mich bzw. unseren Namen bereits zu kennen, was mir bei der Arbeitssuche doch sehr half, denn alle waren so nett und boten meinem Mann einen neuen Job an. Somit konnte Matthias sich dann aus den Angeboten eine Arbeit aussuchen, die ihm gefiel.

Doch trotzdem war das Drama noch immer nicht vorüber, denn nun mussten wir ja das Arbeitsvisum, das stets nur für einen expliziten Arbeitgeber ausgestellt wird, abändern lassen und das schon nach wenigen Wochen unserer Ankunft. Wir hatten Bedenken, dass die Einwanderungsbehörde Neuseelands dies nicht genehmigen würde oder aber auch die Konditionen auf unserem Visa zu unseren Ungunsten verändert werden würden. All unser Geld war für die Flüge, dem Kontainer, der noch immer nicht eingetroffen war, ein Auto und dem Urlaub in den ersten zwei Wochen ausgegeben worden und nun hofften wir, dass Matthias seinen ersten Job so lange behielt bis die Änderungen im Visa durch waren.  Wenn ich mich richtig erinnere, mussten wir ein einige Wochen auf diese Genehmigung warten, die wohl die Längsten in unserem Leben waren.

Das Drama setzte sich dann allerdings weiter fort, als die Berufskammer die Qualifikationen meines Mannes nicht anerkennen wollte und ohne diese Anerkennung würde mein Mann seine Arbeitserlaubnis verlieren und ich meine gleich mit, da diese von seiner Arbeitserlaubis wiederum abhängig war. Sie boten Matthias an, die erforderlichen Qualifikationen in Neuseeland zu erlangen, die allerdings nicht nur sehr zeitaufwendig, sondern auch kostenintensiv waren. Zudem waren diese so gestaltet, dass ebenfalls eine Sprachqualifikation notwendig wurde. Mein Mann sprach bis dahin kaum Englisch und somit hatten wir groβe Bedenken. Die Aussichten, die Qualifikationen über Neuseeland zu erhalten, schienen uns sehr gering bis fast unmöglich. Einigen anderen Auswanderern in dieser Berufsbranche erging es ähnlich wie uns. Dadurch erfuhren wir von einer Alternative, die Anerkennung des Berufes in Australien zu erlangen und dann über das Trans Tasman Abkommen anerkennen zu lassen. Diese Variante war überraschender Weise nicht nur wesentlich billiger, sondern auch viel einfacher zu erlangen und vor allem ohne jegliche Sprachnachweise.
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Mit dieser Anerkennung der Arbeitsqualifikationen konnten wir endlich die unbegrenzte Arbeitserlaubnis (Permanent Residency) beantragen. Von da an verlief alles viel einfacher und die Schwierigkeiten verschwanden nach und nach.

Häufig wurden wir gefragt, was uns überhaupt dazu bewog, aus Deutschland wegzugehen. Ich muss gestehen, dass dies keine einfache Frage ist. Es war nicht nur eine einzige Sache, sondern eine Vielzahl von Gründen, die zusammen groβ genug für uns waren, den Schritt zu wagen. Einer der Gründe war, dass mein Mann und ich Auslands- und damit verbundene Spracherfahrungen sammeln wollten. Wir wollten schon immer mal nach Neuseeland, konnten es uns aber bis dahin nicht leisten. Ein weiterer Grund war, dass wir unsere Tochter zweisprachig aufwachsen lassen wollten und sie nicht unbedingt dem deutschen Schulsystem aussetzten wollten und nach Alternativen suchten, die aber in Deutschland nicht angeboten wurden.

Zum späteren Zeitpunkt kamen noch andere Gründe hinzu, wie dass wir uns in Neuseeland freier fühlten. Menschen urteilten weniger über andere, da man schlecht jemanden ansehen konnte, ob dieser Mensch gut situiert ist oder nicht. Es spielt hier keine Rolle, welches Auto man fährt oder welche weiteren Statussymbole man besitzt. Die Menschen wirken glücklicher und zufriedener und davon wollten auch wir Teil sein. Zudem hatten wir das Gefühl, dass die Neuseeländer nicht in eingezwängten Mustern leben und einfach ihren Träumen folgen. Das inspirierte uns sehr.

Und so entschieden wir uns dann nach dem wir circa drei bis vier Jahre in Neusseland lebten, doch mehr als nur Auslandserfahrungen sammeln zu wollen und so lange zu bleiben, wie wir glücklich in diesem Land sein würden. Wir haben währenddessen vieles ausprobiert und Neues entdeckt, und leben nun unsere Träume. Nach Neuseeland „auszuwandern“ war nur der erste Schritt, der uns den Mut gab, an uns und unseren Träume zu glauben und ihnen zu folgen.

Und so habe ich vor ein paar Jahren angefangen Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren. Einige Fähigkeiten dazu brachte ich mir selbst bei, andere erlernte ich von weiteren groβartigen und hilfsbereiten Menschen. Ich traf immer im richtigen Moment auf genau die richtigen Menschen und nun wird meine erste Kindergeschichte „Fridos Traum vom Surfen“ von einem deutschen Verlag verlegt. Und wie der Titel schon sagt, handelt das Buch von Träumen und wie man diese verwirklicht.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass auch wenn wir glücklich in Neuseeland sind, wir doch auch wichtige Menschen aus Deutschland sehr vermissen, was dem Auswandern immer einen bitteren Beigeschmack gibt. Das Reisen und Besuchen nach Deutschland bzw. das Kommen dieser Menschen zu uns, helfen allerdings dabei, die Distanz zu verkürzen. Und komischer Weise haben wir uns erst im Ausland mit unserem Deutschsein so wirklich angefreundet und sind nun sogar stolz darauf. Ich kann endlich meine deutschen Wurzeln achten und diese geben mir die Kraft alle meine Träume zu erreichen.  Ich denke, Neuseeland hat uns dabei geholfen, bessere Menschen zu werden, uns besser zu verstehen  und uns selbst so anzunehmen, wie wir sind – und dafür werde ich mich immer dankbar fühlen.

Hat euch meine Auswandergeschichte gefallen? Oder möchtet ihr mehr über Neuseeland erfahren? Dann annonciert doch unseren kostenfreien Newsletter und erfahrt immer als Erstes, was es neues bei Kiwiland.info gibt.

Ein paar Bücher zum Thema:

 

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7 Kommentare zu “Meine eigene Auswandergeschichte

    • Ich freue mich, dass dir der Bericht gefallen hat. Ich habe den Bericht hier nur nochmal zufuegt, da alle Berichte von der Goodbye Deutschland Seite runtergnommen worden sind und ich doch immer wieder feststelle, dass viele meiner Leser daran interessiert sind. LG

  1. hallo Ihr beiden,
    dass es Euch nicht so gut ergangen ist, tut mir leid. Es ist nicht einfach, aber ihr habt es geschafft! Mein Kompliment! Ich wandere auch gerne nach Australien und Neuseeland aus. Könnt ihr mich dabei unterstützen??

    Welche Berufe sind besonders gefragt? Tourismus? Auch die Spezialisierung mit China?

    Freue mich auf Eure Antwort!

    LG. Eva

    • Es muss dir sicher nicht leid tun, dass wir einige schwierige Zeit am Anfang hatten. Nun geht es uns ja gut und ich denke, jeder hat am Anfang kleine oder groessere Probleme, wenn er/sie in ein anderes Land auswandert. Hier ist mal ein Link (http://skillshortages.immigration.govt.nz/) wo du nachschauen kannst, ob dein Beruf auf der Shortage List mit drauf ist. Chinesische/Englische/Deutsche Sprache ist sicher von Vorteil, aber dazu muss man wohl recherchieren. Das kann dir leider niemand abnehmen. Doch wenn du weitere Fragen hast, bin ich gerne bereit, dir diese so gut ich kann zu beantworten. Ich wuensche dir sehr viel Glueck bei deinem Vorhaben. LG

  2. dieser Bericht hat sich sehr spannend gelesen. Wir hadern auch sehr mit dem deutschen Schulsystem. Irgendwie scheint da kein wirklicher Platz für unsere Tochter zu sein. Ich freue mich sehr, dass ihr für euch den richtigen Weg gefunden habt. Alles alles Gute für eure weitere Zukunft.

    • Ja, fuer uns war es der richtige Schritt, auch wenn wir am Anfang einige Probleme hatten. Ich kann dich bzgl deiner Tochter sehr gut verstehen. Unsere Kinder haetten es im deutschen Schulsystem sehr schwer. Und hier gehen sie super gerne zur Schule und koennen ihrem natuerlichen Drang des Herausfindenwollen und Neugierde nachgehen. Viel Glueck bei eurem eventuellen Vorhaben.

  3. Pingback: Welche Möglichkeiten gibt es, Auslandserfahrungen zu sammeln? - Kiwiland

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