Meeresschildkröten in Neuseeland (Cheloniidae)

Meereschildkröten gehören zu den ältesten Kreaturen der Erde und lebten schon sogar zur Zeit der Dinosaurier. Die ersten Meeresschildkröten gab es wohl schon vor circa 200 Millionen Jahren. Sie leben in allen tropischen und subtropischen Meeren. Je nach Art jagen sie bei ihren langen Tauchgängen nach Kopffüβern, Krebsen und Quallen.

Sea turtle and jelly fish Foto von Julie Lyn

Im Gegensatz zu Landschildkröten, können die Meeresschildkröten ihre Beine und Kopf nicht mehr in den stromlinienförmigen Panzer zurückziehen, da sich dieser evolutionsbedingt beim Schwimmen im Meer angepasst hat.

Die Meeresschildkröten verbringen die meiste Zeit ihres Lebens im Wasser. Allerdings leben Meeresschildkröten nicht ausschlieβlich an einem Ort, sondern legen jährlich weite Strecken zurück. Dabei folgen sie den Meeresströmungen und orientieren sich womöglich am Magnetfeld der Erde. Leider sind nur wenige Forschungen der Meeresschildkröten im Wasser vorhanden. Es gibt jedoch mehr Informationen über ihr Verhalten am Land.

Genauso wie die Lachse kommen die weiblichen Meeresschildkröten zum Eierlegen zu dem Platz zurück, an dem sie selbst geboren wurden. Sie kommen nachst zur Küste und graben mit ihren Hinterbeinen eine 30-50 cm tiefe Grube aus, worin sie dann je nach Art so um die 70-190 Eier auf einmal legen. Nach circa 6-10 Wochen schlüpfen die Jungtiere. Das Muttertier kehrt zurück ins Meer und die Sonne brütet die Eier aus. Beeindruckend dabei ist, dass sich das Geschlecht der kleinen Schildkröten danach bestimmt, welche Temperatur vorrangig im Nest vorgeherscht hatte. Bei Temperaturen über 29.9 Grad Celsius entwickeln sich meist Weibchen, bei niedrigeren Männchen. Nachdem die Jungtiere nachts geschlüpft sind, machen sie sich sogleich auf zum Meer.

small turtles hatched Foto von Jeroen Looyé

Leider erreichen nicht viele Meeresschildkröten das Erwachsenenalter. Natürliche Feinde können Waschbären, Stinktiere, Möwen, Rabentiere u.v.m. sein. Doch auch der Mensch stellt gewollt oder ungewollt eine Bedrohung für die Meeresschildkröten dar. In vielen Kulturen sind Schildkröteneier und –fleisch eine Delikatesse. Aber auch durch Errichtungen von Straßen, Städten und anderen Lichtquellen sterben viele Meeresschildkröten (Meeresschildkröten orientieren sich am Licht des Mondes, um ihren Weg zum Meer zu finden und werden somit durch Störfaktoren in falsche Richtungen geführt).

DSC00408Auch Umweltverschmutzungen, wie Plastikabfälle, können tödliche Auswirkungen haben, da die Meeresschildkröten Plastiktüten leicht mit Quallen verwechseln und diese stattdessen fressen. Erschreckend ist, dass alle Meereschildkröten vom Aussterben bedroht sind. Und auch wenn Stürme einige Strände und damit die Eier verwüsten, Nesträuber über Schildkröteneier herfallen und viele Jungtiere gefressen werden, geht doch die Hauptbedrohung der Tierart ausschlieβlich vom Menschen aus. Selbst durch Handelsverbote, die seit 1979 existieren, sind Schildkrötenfleisch, Schildkrötenleder und andere Produkte nach wie vor auf dem Schwarzmarkt sehr begehrt. Auch moderne Fischfangmethoden stellen eine hohe Bedrohung dar, da Meeresschildkröten meist Beifang sind.

Von den sieben weltweit existierenen Arten, konnten fünf in den Gewässern Neuseelands endeckt werden.

Leatherback sea Turtle

Foto von U.S. Fish and Wildlife Service Southeast Region’s photstream

Die Lederschildkröte (Dermochelys Coriacea) ist weit verbreitet in Neuseeland und ihre Spuren konnten sogar bis zum Fjordland nachgewiesen werden. Die Gegenden um das nördliche Kap und der Ostküste im Nordland sind allerdings die Lieblingsaufenthaltsbereiche. Im Gegensatz zu anderen Arten bevorzugen sie tiefes und offenes Wasser. Zudem kommen sie mit kühlerem Wasser eher zurecht. Die Lederschildkröte kommt nur zur Fortpflanzung an die Küste Australiens und den Solomon Inseln. Doch dann kehren sie schnell wieder in die nahrungsreichen Gewässer um Neuseeland herum zurück.

Bedenklich ist, dass in der letzten Generation eine Dezimierung von ungefähr 70% der weiblichen Population geschätzt wurde.

Green Sea Turtle Foto von Thomas Shahan

Die Grüne Meeresschildkröte oder Suppenschildkröte (Chelonia Mydas) ist die einzige herbivorernährende Meeresschildkröte, da sie sich fast ausschlieβlich von Seegrass, Algen und Mangroven ernährt. Sie können aber auch Fische, Eier, Quallen, Schwammtiere und einige Krustentiere essen. Die Grüne Meeresschildkröte steht allerdings auch gerne bei Menschen auf dem Speiseplan und hat somit ihren Namen Suppenschildkröte bekommen.

Einen Teil ihres Lebens verbringen diese Schildkröten im Norden der Nordinsel Neuseelands. Einzelne Tiere können regulär im Rangaunuhafen und bis zu den Poor Knights Inseln gesichtet werden.

Auch diese Art hat sich stark verringert und wird auf der IUCN-Liste (Weltnaturschutzverein) als bedrohte Art aufgeführt.

Loggerhead Sea Turtle Foto von Alaina McDavid

Nachweise von der Unechten Karettenschildkröte (Caretta Caretta) konzentrieren sich vor allem um die Nordinsel Neuseelands. Allerdings ist diese Schildkrötenart ein seltener Besucher Neuseelands.

Hawsbill Sea Turtle

Foto von U.S. Fish and Wildlife Service Southeast Region’s photostream

Auch die Echte Karettenschildkröte (Eretmochelys Imbricata) wird nur relativ selten in Neuseeland gesehen, da sie eine tropische Meereschildkrötenart ist. Doch wenn sie in Neuseeland gesichtet wurde, war dies meist im Norden der Nordinsel Neuseelands.

Olive Ridley Sea Turtle Foto von Heather Paul

Und die Pazifische Bastardschildkröte (Lepidochelys Olivacea) wird noch seltener in Neuseeland gesichtet. Es wird vermutet, dass diese nur nach Neuseeland kamen, weil sie vom Weg abkamen oder krank waren.

Ich bin ein sehr groβer Fan von Meeresschildkröten. Zwar habe ich bis heute noch keine Meeresschildkröte in Neuseeland sehen können, bin aber einer in Hawaii begegnet, als diese auf ihrem Weg zum Strand zum Eierlegen kommen wollte. Seitdem bin ich von diesen Tieren sehr fasziniert und es ist somit sicherlich nicht verwunderlich, dass ich für mein erstes Kinderbuch die Meereschildkröte als Hauptcharakter ausgewähl hatte.

Ich hoffe jedoch, auch in Neuseeland bald einer Meeresschildkröte zu begegnen und hoffe, dass wir uns alle auch in vielen Jahren noch an diesen wundervollen Geschöpfen erfreuen können. Deshalb bitte ich euch, achtet auf unsere Umwelt, wählt plastikfreie Verpackungen und entscheidet euch bewusst für eine grünere Welt.

Ihr könnt auch gerne an die Turtle Foundation, die sich für Initativen zum Schutz für die bedrohten Meereschildkröten einsetzt, spenden und damit den Meereschildkröten helfen.

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