Mahurangi Zementwerk in Warkworth

Warum schreibe ich ausgerechnet über ein Zementwerk in Neuseeland? Auf dem ersten Blick mag dies nicht gerade interessant klingen. Doch wer schon mal da gewesen war, wird von der Einzigartigkeit der Geschichte Neuseelands, aber vor allem von dem bildhaften Landschaftsbild beeindruckt sein.

Für die Einwohner von Warkworth und Umgebung ist es ein beliebter Platz im Sommer und fast so etwas, wie ein Geheimtipp, denn neben der zurückgebliebenen Ruine des Zementwerks, befindet sich ein See, der durch den Abbau des Kalksteins und Ton entstanden war.

In den 1880er Jahren wurde der erste Portlandzement im Mahurangi Zementwerk hergestellt.

Warkworth Ruine 2

Geschichtlicher Hintergrund zum Zementwerk

Nathaniel Wilson (1836-1919), der Gründer des Zementwerks in Warkworth, migrierte zusammen mit seiner Familie von Glasgow nach Neuseeland als er 6 Jahre alt war. Ursprünglich erlernte er das Handwerk des Schuhmachers, doch nachdem er das Buch „Science and Art of Manufacture of Portland Cement“ von Henry Reid, welches ihm von einem Freund empfohlen wurde, gelesen hatte, wurde sein Interesse für Portlandzement geweckt.

Schon im Jahre 1864 kaufte er sich ein kleines Stück Land, angrenzend an das seiner Eltern, südlich des damaligen Dorfes „Warkworth“. Nach vielem Herumexperimentieren begannen Nathaniel und seine Brüder (John und James) als J. Wilson Company mit Portland-Zement zu handeln. Dies war das erste Unternehmen, das auf der südlichen Hemisphere Portland-Zement kommerziell herstellte.

Dennoch hatte das Unternehmen mit einigen Problemen fertig zu werden. Eines der Probleme war die unterschiedliche Zusammensetzung des Kalksteins aus der Umgebung. Das Problem konnte mit der Kalkgehalterhöhung durch das Hinzufügen von neuseeländischen Pipimuscheln (Herzmuscheln) aus dem nebenliegenden Mahurangiflusses behoben werden.

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Durch die Nutzung neuerster Technologien konnte die Produktion angekurbelt werden bis sie 1903 eine jährliche Maximalproduktion von 20220 Tonnen erreicht hatte. Angefangen hatte das Unternehmen mit einer jährlichen Produktion von 1524 Tonnen.

Zum gleichen Zeitpunkt etablierten sichweitere Zementwerke, wie z.B. die „Limestone Island“ am Whangarei Harbour (Hafen von Whangarei) oder „Milburn“ in der Nähe von Dunedin.

Das Mahurangi Zementwerk wuchs bis 1910 bis auf 180 Mitarbeiter an. Anfang des ersten Weltkrieges sah sich Australien einem Zementmangels gegenüber stehend, da sie die deutschen Händler boykottierten und so wurden Dampfschiffe voll mit Portland-Zement vom Mahurangi-Zementwerk nach Australien importiert.

1918 allerdings fusionierte das Unternehmen freiwillig mit dem „Limestone Island“ Unternehmen in Whangarei, wo, zu diesem Zeitpunkt, die gröβten Mengen Zement im Lande hergestellt wurden. Das Mahurangi Zementwerk konzentrierte sich von da an mehr auf Kalkhydrate bis 1929 das Unternehmen dann komplett schloss und die Maschinen nach Portland, in der Nähe von Whangarei, transportiert wurden.

Warkworth Ruine

Und wie sieht es heute mit dem Zementwerk aus?

Seitdem sind die Gebäude dem Verfall überlassen und die alten Ruinen werden nach und nach von der Natur zurückgenommen. Die durch den Abbau des Kalksteins und Tons entstandenen Becken wurden mit Wasser aus dem Mahurangi Fluβ gefüllt, der sich parallel zum Becken befindet.

Warkworth See 2

So enstand ein idylisches Landschaftsbild, ein See, der wunderbar zum Baden genutzt werden kann, umrahmt von Bäumen und Sträuchern, und im Hintergrund der Fluss und die alten Ruinen.

Einheimische, sowie auch Touristen werden gleichermaβen von dem wunderschönen Ort angelockt. Romantiker kommen an diesen Ort und lassen sich hier trauen oder erneuern ihre Gelübde. Die groβflächigen Wiesen laden zum Picknicken und Faulenzen ein. Und das kühle Wasser des Sees erfrischt vor allem in der Hitze des Sommers.

Warkworth See

Allerdings ist der See nicht unbedingt für Familien mit Kleinkindern geeignet, da der See relativ tief ist und gleich steil abfällt. Also nichts für Nichtschwimmer! Doch mit Luftmatrazen, anderen aufblasbaren Spielsachen oder auch Kayaks lässt es sich wunderbar an diesem Ort aushalten.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde die Ruine eingezäunt, um Unfälle durchs Hinaufklettern der Ruinen zu vermeiden. Ich konnte allerdings sehen, dass es trotz allem den einen oder anderen nicht davon abhielt, über den Zaun zu klettern, um durch die Ruinen zu laufen.

Ein groβer Parkplatz und Toiletten wurden ebenfalls vor einigen Jahren hinzugefügt, um das Badeerlebnis für alle noch angenehmer zu machen.

Gleich neben dem See befindet sich der der Mahurangi Fluss mit einem Platz, wo alte und neue Segelboote und Yachten vorzufinden sind. Diese können hier wunderbar zu Wasser gelassen oder für die neue Saison aufbereitet werden.

Warkworth Boote

Ich fand es super interessant, dort herauszufinden, dass es Segelboote aus Holz, Stahl, aber auch aus Beton gibt. Eine Freundin erklärte mir dann noch die Unterschiede und ich denke, ich habe sehr viel an diesem Tag dazu gelernt.

Abschlieβend möchte ich noch hinzufügen, dass vor allem junge Menschen an diesen Ort gezogen werden, da der See, wie schon oben erwähnt nicht besonders gut für Familien geeignet ist. Trotzdem war meine Familie nun doch schon einige Male am See des Mahurangi Zementwerkes und ich bin mir sicher, dass wir auch noch häugiger zu diesem faszinierenden Ort zurückkehren werden.

 

Habt ihr auch irgendwelche Geheimtipps von Reisezielen in Neuseeland, die ihr gerne mit anderen teilen möchtet, dann würde ich mich sehr freuen, von euch zu hören und eure Tipps in einem Gastartikel zu veröffentlichen.

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