Einheimische neuseeländische Pflanzen, die auch essbar sind – Teil 1

Die Frage, warum ich ausgerechnet einen Artikel über essbare Pflanzen im neuseeländischen Busch schreibe, ist natürlich gerechtfertigt. Wieviele von uns werden jemals in die Lage kommen, sich  in Neuseeland zu verirren und dann von diesem Wissen abhängig zu sein, um überleben zu können. Nun könnte ich sagen, dass es einige Mutige von uns gibt, die sich dieser Herausforderung annehmen und sogar nach einer Art Überlebenstrainung suchen. Doch zugegeben, das sind die Wenigsten von uns. Ich denke aber auch, dass wir unseren Neuseelandaufenthalt mit einzigartigen Erfahrungen bereichern, wenn wir im neuseeländischen Busch unterwegs sind und von den leckeren Beeren naschen.

Meine zwei gröβten Beweggründe sind, auf der einen Seite, dass mir die Pflanzen- und Tierwelt Neuseelands sehr am Herzen liegen und, auf der anderen Seite, ich Menschen zum Nachdenken bringen möchte, dass von den weltweiten 80.000 bekannten essbaren Pflanzen alleinig um die 150 Arten kultiviert worden sind und wir uns meistens davon ernähren. Und für ungefähr 90% aller Nahrungsmittel der Welt verlassen wir uns letztendlich auf weniger als 20 Arten,  (Brooker 1988).

Was bedeutet dies? Ich bin der Meinung, wenn wir Menschen in allen Ländern die essbaren Pflanzen wiederentdecken, könnten wir eventuell der Menschheit und der Hungersnot Abhilfe schaffen.

In Neuseeland gibt es mehr als 200 Arten, die essbar sind. Zusammen mit Angelia und unserer  Freundin Paula, die im neuseeländischen Busch aufgewachsen ist und viele essbare Pflanzen kennt, sind wir durch die Natur gewandert und Paula hat uns all jene essbaren Pflanzen, die wir finden konnten, gezeigt und die meisten davon konnten wir auch probieren. Einige dieser Pflanzen waren sehr gewöhnungbedürftig und sind wahrscheinlich nur gut genug, um sie in Überlebenssituationen zu nutzen. Bei anderen kann ich mir gut vorstellen, dass diese gezüchtet und kultiviert werden könnten. Die Maoris haben das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben. Allerdings kenne ich auch einige Menschen, die von den Maoris abstammen und dieses Wissen verloren haben, wie schmackhafte Speisen aus den einheimischen Pflanzen gezaubert werden können.

Hier sind die Pflanzen, die wir bei unserer Naturwanderung in entsprechender Reihenfolge (im Mai) finden konnten.

Manuka (Leptospermum scoparium) und Kanuka (Kunzea ericoides)

ein kleiner Manukabaum

ein kleiner Manukabaum

Beschreibung:   Manuka und Kanuka sind sich sehr ähnlich und werden umgangsprachlich auch Teebaum genannt. Beide sind Sträucher oder Kleinbäume mit einer dünnen Baumrinde und schmalen Blättern. Mit einer Maximumhöhe von acht Metern ist Manuka die kleinere Sorte. Kanuka kann eine Höhe von 16 Metern erreichen.

Essbarer Teil:    Die Blätter beider Arten können wunderbar zum Teezubereiten genutzt werden. Es soll sich aber auch Bier daraus brauen lassen.

Geschmack:      angenehmer bitterer und starker Geschmack

Wann:                ganzjährig

Mingimingi (Cyathodes juniperina)

Mingimingi-Pflanze

Mingimingi-Pflanze

Beschreibung:   Die stachlige Mingimingi ist ein Strauch und erreicht eine Höhe von fünf Metern. Er besitzt sehr schmale Blätter, die ungefähr ein Zentimeter lang sind. Es gibt auch noch eine breitblättrige Mingimingisorte.

Essbarer Teil:    die kleinen roten Beeren

Geschmack:      Die Beeren können direkt vom Strauch gegessen werden und schmecken sehr saftig und süβ. Da die Beeren aber nur 3-4 mm groβ werden, muss schon eine Menge gegessen werden, um satt zu werden.

Wann:                vor allem im Frühling und Sommer, aber selbst im Herbst konnten wir noch welche finden

Verschiedene Coprosma Sorten (Coprosma rhamnoides and Coprosma lucida)

Copprosma Beeren

Copprosma Beeren

Beschreibung:   Coprosma bedeutet „wie Mist riechen“ und bezieht sich auf den Duft von zerkleinerten Blättern einiger Coprosmasorten. Es gibt 53 Sorten von Coprosma.  C. Rhamnoides hat sehr kleine Blätter, wo hingegen C. Lucida groβe, glänzende Blätter vorweist. Beide sind aber immergrüne Sträucher.

Essbarer Teil:    die schwarzen Beeren bei C. Rhamnoides und die orangen Beeren bei C. Lucida

Geschmack:      Die Beeren schmecken von beiden Coprosmasorten süβ und saftig mit einem etwas bitteren Nachgeschmack.

Wann:                Spätsommer bis hinein in den Herbst

HangeHange (Geniostoma ligustrifolium)

HangeHange

HangeHange

Beschreibung:   HangeHange ist ein gewöhnlicher und schnellwachsender Strauch, der eine Höhe von vier Metern erreichen kann. Die Blätter sind glänzend und weich, und circa 4-8 cm lang. Sie sehen ovalförmig und am Ende abgespitzt aus.

Essbarer Teil:   die Blätter

Geschmack:     Der Geschmack hat mich an Spinatblätter erinnert und lässt sich somit gut in Salaten verwenden.

Wann:              ganzjährig

Kiekie (Freycinetia banksii)

Kiekie

Kiekie

Beschreibung:   Eine Kletterpflanze mit einem Hauptstamm so dick wie ein Handgelenk. Die Pflanze wächst dort entlang, wo es Halt findet und so mag kein Anfang und kein Ende zu sehen sein bei dem Durcheinander. Die Frucht sieht aus wie eine Mischung zwischen einem Maiskolben und einer Ananas.

Essbarer Teil:   das weiβe Deckblatt, das die Blüte umgibt und das Innere der reifen Frucht

Geschmack:     Der Geschmack des Deckblattes wird verglichen mit einer saftigen Birne und war unter den Maoris preisgekrönt. Die äuβere Haut der Frucht ist derb und sehr bitter, doch wenn man diese abschält und zu den inneren Kernen gelangt, sollen diese sehr süβ und angenehm schmeckend sein.

Wann:               die Blüte im Frühling und die Frucht im Herbst oder Anfang Winter

Nikau

Nikaupalme

Nikaupalme

Beschreibung:   Ein Palmenbaum, der wunderschöne pinke Blüten hat mit darauffolgenden grünen Beeren, welche rot werden, wenn sie reif sind.

Essbarer Teil:    die unreife Blüte und die unreifen Beeren, die Herzblätter der Palme (doch die Pflanze stirbt dann)

Geschmack:      Die unreifen Blätter wurden aus medizinischen Gründen genutzt für abführende Wirkungen oder um den Beckenmuskel bei der Geburt zu entspannen.

Die roten reifen Beeren sind sehr hart und zum Essen wenig zu gebrauchen, obwohl sie sehr lecker aussehen. Doch wenn sie noch unreif und grün sind, sind sie weicher und weisen einen nussigen Geschmack auf.

Die Blüte kann man roh essen, welche dann sehr stärkehaltig schmeckt. Allerdings kann man die Blüte auch wie Blumenkohl kochen und zu Corned Beef reichen, was sehr gut schmecken soll.

Wann:               durchweg das ganze Jahr

Weitere Pflanzen findet ihr im zweiten Teil von „Einheimische neuseeländische Pflanzen, die auch essbar sind“ beschrieben.

Möchte ihr selber den neuseeländischen Busch entdecken, dann wird euch sicher die „Auckland West Coast Wilderness Tour“ gefallen, die unter den Auckland Day Tours zu finden ist.

Auckland Day Tours

Interessieren euch essbare Wildpflanzen in Deutschland? Dann könnt ihr in den folgenden Büchern viele Informationen für euch bekommen!

Wenn euch die neuseeländische Flora und Fauna zusagt, dann schaut euch doch auch Angelias Artikel über Eulen in Neuseeland an.

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